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ColorKey

 
 

Was ist an der Kombination aus Farb- und schwarz-weiß Aufnahmen so besonders?

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23.11.2025

Bilder in zwei Ebenen

Bewusst gesehen habe ich ein ColorKey (oder CK) zum ersten Mal auf einem Werbeplakat der Berliner Kindl Brauerei.
Von dem Effekt und seiner Wirkung, mit der das "kühle Blonde" auf dem Plakat hervorstach, war ich nachhaltig beeindruckt.

Das Prinzip ist simpel, man kombiniert zwei Fotos miteinander, eines in Farbe und eines in schwarz-weiß.
Im Grunde macht man nichts anderes wie bei einem Rubbellos.
Auch da liegen zwei Schichten übereinander, von denen eine (teilweise) durchsichtig gemacht wird.

Nehmen wir als Beispiel "Jeanny".
 


Jeanny, in memoriam Falco

Hier habe ich erst das Farbfoto wie üblich bearbeitet und dann noch ein Exemplar in sw gemacht.
Dann habe ich die sw-Version auf das Farbfoto gelegt und mit einem Pinselwerkzeug die Pumps in dieser Ebene transparent gemacht, so das die roten Schuhe aus der Ebene darunter zum Vorschein kamen. Von Hand, ohne eine KI.

Je nach Motivgröße und Details, kann man "oben und unten" auch tauschen. Das ergibt sich schnell wenn man sieht, in welcher Richtung die Fusion der beiden Ebenen einfacher ist.

Das Bild bei 500 oder mehr Prozent Zoom zu bearbeiten, ist relativ einfach gewesen.
Die Konturen waren nicht all zu anspruchsvoll. Bei der roten Dahlie


Die rote Dahlie

war das mit all den feinen Details schon etwas anderes.

Das Ergebnis hat mich dann für die Mühe belohnt.
Allerdings muss es auch nicht immer eine Kombination aus schwarz-weiß und rot sein.
Diese Farben haben nur das beste Kontrastverhältnis, weil rot in der Mitte des Spektrums liegt und der Effekt auch
ein Stück weit Wiedererkennungswert hat. Die meisten CKs werden eben in diesen Farben angelegt.
Z.B. die Klassiker - die britischen Telefonzellen oder die Londoner Busse.

Ebenso beliebt sind die New Yorker Cabs, wie sie in leuchtendem Gelb durch die schwarz-weißen Straßenschluchten flitzen.

Bei grün oder blau wird es schon schwieriger, da die Wirkung dunkler Farben nahe an schwarz schnell untergeht.
Das wirkt dann nicht mehr so gut. Ebenso wäre gelb in einem sehr hellen sw-Umfeld nicht mehr so wirkungsvoll.

Auch "bunte" CKs können eine tolle Wirkung haben. Eines meiner ersten dieser Art war "Am Schleusenufer".


Am Schleusenufer, Berlin Treptow-Kreuzberg

Mir gefiel der bunt schimmernde Spiegel auf dem Wasser, wo die Uferbebauung schon alle Graustufen abgebildet hatte.


Pro und contra CK


Ich für meinen Teil sehe CKs als eine Form von künstlerischem Ausdruck an.
Immerhin ist es die künstlerische Bearbeitung von Fotografien, bei der man mit Kreativität etwas erschafft.
Diesen Stil mit den Worten abzutun, man wolle damit "ein schlechtes Foto noch retten", ist schon ziemlich intolerant und lässt das nötige Kunstverständnis vermissen. Denn gut gemachte CKs können den Betrachter sehr wohl faszinieren.

Auch den Vorwurf "schnell mal was zusammen zu klatschen" kann ich nicht gelten lassen.
Das mag zutreffen, wenn wirklich schlampig gearbeitet wurde und die Kanten leicht sichtbar unsauber verlaufen.
Generell kann ich die Aussage jedoch nicht stehen lassen.

Meinen "grünen Baum" z.B., habe ich von vorn herein bewusst mit dem Plan aufgenommen, einem Winterfoto Leben einzuhauchen.


Der grüne Baum, hier das unbearbeitete "out of Cam"

Natürlich kann man ganz einfach alle Regler bis auf den der gewünschten Farbe, auf null ziehen.
Das funktioniert aber nicht immer und beim grünen Baum musste ich es erst gar nicht versuchen.
Der Baum war grün - so wie das Schilf, die Hecken und andere Bäume im Hintergrund.
Eine Entsättigung bis auf grün hätte also nichts gebracht.

Es blieb nur eine Möglichkeit. Alle Details bei 1000% Zoom mit einem fein eingestellten Pinsel freilegen.
Dafür habe ich eine Woche lang jeden Abend 4 bis 5 Stunden investiert.
Ich denke hier ist klar, dass es nicht darum ging ein schlechtes Bild zu retten.

Es muss auch nicht immer der Klassiker von einem CK sein. 2024 kam ich bzgl. Sepia auf den Geschmack.
Ich stellte fest, dass viele Fotos in sw nach der Umwandlung in sepia besser wirkten auch wenn der Ton nicht ganz wie "der klassische Gilb" aussah.

Dann kam mir die Idee, es mit Kombinationen zu probieren und ganz besonders beim Frühtau war ich begeistert.


Frühtau

Die weichen und filigran wirkenden Tautröpfchen, sahen im Original schon toll aus. Als ich aber mit dem farblosen Hintergrund
das Motiv noch einmal betont hatte, entfaltete das Bild erst seine volle Wirkung. In 120 x 80 cm ist es eine Wucht.

Noch mehr als zuvor, kommt das Blatt der Felsenbirne mit dem zart leuchtenden Morgentau zur Geltung.
Jetzt erst war es perfekt.

     
             
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