Hochwasser
                     
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Das Katastrophenhochwasser, das über Westdeutschland und unsere Nachbarn kam

 
 

14 Juli 2021 (Seite in der ersten Version vom 20. Juli 2021)

 
     
     
 

05.07.2025

 
 

Schon am Vormittag regnete es so stark, dass man innerhalb weniger Minuten im Freien klatschnass war.
Das einzig friedliche und erfreuliche Bild von diesem Tag, ist dieses
 

 
   
 

So wie diese, wurden alle Aufnahmen vom 14. Juli im strömenden Regen mit einer Kamerahaube, bzw. einem Handy im Zip-Beutel gemacht.

 
 


Gerade war ich von einem Termin nach Hause gekommen, bei dem ich mit Achim Herrmanns, dem Betreiber des Burgrestaurants in
Rittersdorf, über neue Fotos für seine Webseite gesprochen hatte. Weniger als fünf Minuten Fußweg zum Auto hatten gereicht und mir tropfte das Wasser aus den Hosenbeinen.
Da war es kurz nach halb zwölf und es ahnte noch niemand, was im Laufe des Tages auf uns zu kommen würde.

Ich mache es nicht extra spannend - das hier ist eine Dokumentation, keine Geschichte.
Ich gebe der Reihe nach wieder was passiert ist und was ich gesehen und fotografiert habe.


Hier haben wir einen tollen Blick auf das Nimstal in Rittersdorf. Vom sicheren Hang aus, hat man eine wunderschöne Aussicht - eigentlich.
Geradezu kann man zwischen den Bäumen das Wasser sehen. An der Stelle ist die Nims etwa drei bis vier Meter breit und ein ganz normaler, schmaler Fluss.
Bis zur Oberkante des Flussbettes sind es da um die 30 bis 50 Zentimeter.
 

 
   
 

Drohnenaufnahme aus dem Januar 2021, zwischen den Bäumen in der Bildmitte liegt das Flussbett. Links schimmert das Wasser ein wenig durch die Bäume.

 
 


Gegen zwölf Uhr sah ich dann, dass der Abstand zwischen der Nims und der Uferkante verschwunden war.
Etwa eine halbe Stunde später stand das Wasser schon ein paar Meter auf der Wiese.

Ein paar Wochen zuvor hatte ich noch mit der früheren Besitzerin der letzten Bäckerei in Rittersdorf über
Hochwasser gesprochen.
Überflutungen sind hier nichts ungewöhnliches und nasse Füße kein Grund zur Panik. Daher sah ich noch keinen Anlass zur Besorgnis. Wie viele andere auch.
Ein fataler Irrtum, der in den betroffenen Gebieten insgesamt weit über 100 Menschenleben kosten sollte.

Die Wiesen im Nimstal sind offiziell als
Überschwemmungsgebiet ausgewiesen, dort gilt heutzutage überall Bauverbot.
Manche Häuser im alten Ortskern sind jedoch weit über 100 Jahre, nahezu 200 Jahre alt und seit Jahrzehnten in Familienbesitz. So etwas gibt man nicht einfach so auf. 

Bei den starken Regenfällen in diesem Jahr, ging der Pegel der Nims immer wieder rauf und runter. Das kann man am Wehr neben der Burg sehr gut erkennen,
wenn man dort über die Brücke fährt. Trotzdem machte ich ein erstes Foto.
Hochwasser kenne ich seit meiner Kindheit und das nicht nur aus den Erzählungen von Verwandten an
Mosel und Saar, bzw. aus den Nachrichten.

Keine Stunde später war die Nims noch einige Meter weiter auf die Weiden gerückt, die sich am nördlichen und südlichen Ortsende auf beiden
Uferseiten recht weit strecken, bevor das Gelände ansteigt.

Die ersten Häuser im Ortskern, liegen rechts der Nims nur etwa einen halben bis einen Meter über dem Wasser und weit näher am Flüsschen, wie an den Ortsenden.
Überall in der Nimsstraße und ebenfalls in der Prümstraße, stehen Häuser die nicht all zu weit oberhalb der Nims liegen, jedoch ebenfalls mit lang gestreckten Grundstücken.
Da können sich auch größere Wassermassen gut verteilen. Nur im Bereich um die Burg wird es eng, dort bildet die Straßenbrücke das Nadelöhr.

Bei den "normalen" alljährlichen Hochwassern, konnte sich die Nims also fast immer gefahrlos breit machen, ohne gleich in die Gebäude einzudringen.
Beim Tauwetter im Frühjahr kommt es immer wieder vor, dass die Wiesen ganz unter Wasser stehen und auch mal Keller betroffen sind, wenn das Wasser etwas in die Häuser läuft.

Ohne etwas Böses zu ahnen, schnappte ich mir eine Kamera und zog los, um meiner Frau nach Feierabend zu zeigen, was sich am Tag abgespielt hatte.
Lange dauerte es dann nicht mehr, bis die ersten Straßen gesperrt wurden. Es sprach sich schnell herum, als der Kreisverkehr auf der L5 bei
Nattenheim zur Insel wurde.

Zuerst machte ich ein paar Aufnahmen vom Gehweg unterhalb der Anhöhe, von der das Foto oben aufgenommen wurde.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 15:55 Uhr, die Nims ist jetzt etwa fünf mal so breit wie normal

 
 


Als Nächstes wollte ich mir die
Unterführung eines Wanderwegs anschauen, der ganz in der Nähe die Landstraße L5 kreuzt.
Auf dem Weg dahin hörte ich ein gewaltiges Rauschen, das von vorne kam - die Nims lag links neben mir.

Die Felder auf den Hängen beiderseits des Nimstal, haben
Entwässerungsgräben um überschüssiges Wasser kontrolliert in die Nims zu leiten.
Ich weiß von wenigstens vieren auf jeder Seite der Nims am nördlichen Ende von Rittersdorf - den hier hatte ich bisher nie bemerkt. Jetzt war er nicht mehr zu überhören.

Mit unglaublicher Wucht schoss das Wasser hier in die Nims, wo sonst kein Tropfen zu sehen ist.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:00 Uhr, Entwässerungsgraben zur Nims

 
 


Allein die Lautstärke war unglaublich, etwa so wie an einem kleinen
Wasserfall.

Man stelle sich vor, dass es auf dem langen Weg nach Rittersdorf überall solche Entwässerungsgräben gibt, die bei starkem Regen die Nims speisen.
Hinzu kommen die Zuflüsse anderer Wasserläufe weiter oben an der Nims. Und es hatte schon einige Tage zuvor ständig geregnet.
Da sammeln sich Wassermassen, die man sich kaum vorstellen kann, auch weil man davon nichts bemerkt. Und es regnete unvermindert weiter.

Hier der gleiche Graben am Montag danach:
 

 
   
 

19. Juli 2021, es steht nur noch eine harmlose Pfütze im Entwässerungsgraben, es fließt kein Wasser mehr nach. Hier herrscht wieder Stille

 
 


Etwa zweihundert Meter hinter dem Entwässerungsgraben, liegt auf dem Weg die Unterführung des
Radwanderweges. Die war schon lange nicht mehr passierbar.
Hier trifft die Nims an der L5 auf eine Engstelle.
Die
Fließgeschwindigkeit nahm dramatisch zu, das Wasser stieg rasch an und explodierte förmlich auf die Wiesen hinter der Brücke.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:00 Uhr, überflutete Unterführung unter der L5

 
 


Der Baum hinter dem Geländer, stand vorher links am Ufer. Jetzt stand er mitten in der Nims.
Der Wasserdruck hat später seinen
Wurzelteller aus dem Grund gespült und ihn gefällt.
An dieser Stelle fließt der Fluss sonst nur träge. Ist es länger trocken, scheint es hier fast, als stünde das Wasser wie in einem Teich.

Rechts vom Geländer verläuft der Gehweg, der hier bereits über einen halben Meter tief unter Wasser liegt. Drei Stunden später war das Geländer längst nicht mehr zu sehen.
Wie wir inzwischen wissen, stand auch die L5, die oben über die Brücke führt, unter Wasser.
Die Brücke, die hier noch vor dem Baum in der Nims verläuft, ist wegen ihrer Höhe im Bild nicht einmal zu sehen!
Alle Bäume hier im Bild standen gegen Abend bis zur Krone im Wasser.

Gegen 16:00 Uhr reichte das Wasser unter der Brücke schon bis weit auf den Wanderweg, der auf beiden Seiten deutlich ansteigt, siehe unten.
 


Der trockene Schlamm auf dem Wanderweg markiert an dieser Stelle noch nicht den Höchststand!

Der Versuch später noch einmal bis hierher zu gelangen, wo ich diese Aufnahme gemacht hatte, wäre tödlicher Leichtsinn gewesen.
Der gewaltige Strom hätte einen auch hier noch vorher von den Beinen gerissen.

Unter Wasser lagen Zäune, Zaunpfähle und andere Hindernisse, an denen man hätte hängen bleiben können.
Ebenso gut hätte es einen auch gegen einen Baum schleudern können, wäre man nicht vorher im Wasser von einem mitgerissenen Gegenstand erschlagen worden.

Ähnlich wie bei einem Wirbelsturm, riss das Wasser schon zu diesem Zeitpunkt große Klamotten wie z.B. Paletten oder riesige Heuballen mit, als wären sie Taschentücher bzw. Eiswürfel. Die abgerissenen Bäume wurden vom Wasser beschleunigt wie Geschosse.
Es ist unvorstellbar, welche Gewalt dieser sonst so harmlose schmale Fluss entfesselte, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Dieses Bild zeigt deutlich, wie hoch sich das Wasser an dieser Stelle staute und wie mitgeschleppte Gegenstände die Birken am Ufer förmlich rasierten.
 

 
   
 

19. Juli 2021, die Birken am Ufer zeigen deutliche Spuren der Trümmer, die ihnen im Vorbeischwimmen die Rinde abgerissen haben. Am Boden ist die Schneise vom Wasserdruck noch gut zu erkennen.

 
 


Alle in dieser Kurve stehenden Bäume, haben auf der gleichen Höhe Marken bekommen, an denen noch in Jahren die Höhe des Wasserstands erkennbar sein wird.

Zurück zum 14. Juli, hier scheint alles noch friedlich zu sein.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:05 Uhr, Gischt zeugt von der Fließgeschwindigkeit der Nims

 
 


Doch das täuscht. Die weißen
Gischtkronen auf der braunen Brühe sprechen eine deutliche Sprache. Das Wasser hatte schon jetzt eine gewaltige Strömung erreicht
und auch der Eindruck, dass die Nims nur ein wenig über die Ufer getreten sei, täuschte fatal.

Tatsächlich reichte das Wasser schon viel weiter als man sehen konnte.
Auf den Wiesen hatte es den Grund aufgeweicht, war aber zwischen den Halmen kaum zu sehen, weil diese in Bögen über dem Boden lagen.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:05 Uhr, beinahe unsichtbar stieg das Wasser über die Uferwiesen. Von weitem war nicht zu erkennen, dass noch einige Meter mehr unter Wasser standen, als man zu sehen meinte

 
 


Beim Laufen sank ich mit den Füßen überraschend tief in das Grün ein. Der Boden war auf der ganzen Fläche zu einem zähen Brei geworden.
Ohne die Pflanzen hätte ich dort nicht mehr gehen können, ich wäre wenigstens bis zu den Knien eingesunken.

Ganz anders als bei Hochwassern sonst, gab es hier keine
Flutwelle die mit einer Front durch die Ortschaften rauschte und dann wieder abebbte.
Bei diesem Hochwasser war es anders, ganz anders. Und das war das Heimtückische.
Das Wasser stieg über mehr als zwölf Stunden stetig weiter an, während es immer weiter regnete. Ohne Aussicht auf Besserung.
Die Strömung nahm ebenfalls immer weiter zu. Als wäre ein gewaltiger Wasserhahn ganz langsam immer weiter aufgedreht worden, ohne ein Ende zu finden.
 
Hier stand der
Pavillon auf den Burgwiesen noch gerade so mit den Füßen im Wasser, das aber zwischen den Bäumen im eigentlichen Lauf der Nims schon rund zwei Meter tief war. Auch das sollte nicht lange so bleiben.

 

 
   

14. Juli 2021 gegen 16:15 Uhr, Aufnahme vom Handy. Das Wasser ist um rund 1,70m gestiegen.

 


Die
Wellen hat hier kein Wind verursacht - es war fast windstill. Was man oben sieht, ist die Fließgeschwindigkeit der Nims!

Rechnet man die Distanz bis auf die normale Höhe zusammen, also das sanfte Gefälle der Wiese dazu, hat die Nims hier bereits eine Tiefe von 2,00 bis 2,20m.

D
och das ist noch lange nicht der Höhepunkt der Katastrophe. Der kam erst nach Mitternacht.

Gegen 16:20 Uhr kam ich an der
Burg an. Dort waren bereits die ersten Sandsäcke am Haupteingang über die Brücke aufgeschichtet worden.
Auch die Bewohner der umliegenden Häuser begannen sich mit Sandsäcken gegen das drohende
Unheil zu wappnen. Vergebens wie sich zeigte.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:20 Uhr, die Belegschaft des Burgrestaurant hat sich auf ein normales Hochwasser eingestellt. Die Freiwillige Feuerwehr hat Sandsäcke am Haupteingang aufgeschichtet.

 
 


Herr Herrmanns hatte mich schon am
Vormittag auf die Maßnahmen gegen ein Hochwasser hingewiesen, die er bereits an der Tür zur Terrasse getroffen hatte.
Dort konnte man sonst im Sommer gemütlich unter Sonnenschirmen mitten im Dorfkern sitzen und es sich im Grünen gut gehen lassen.

Gegenüber hatte die Feuerwehr bereits den Wanderweg in Richtung Süden gesperrt, weil auch dort das Wasser schon über den Weg hinweg, auf die anliegenden Grundstücke gelaufen war.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:30 Uhr, der südliche Wanderweg ist vollständig überflutet

 
 


Für gewöhnlich ist die Nims hier 60 bis 70 Zentimeter flacher und fließt links von den Sträuchern in der Bildmitte. Rechts daneben führt am Zaun der Wanderweg entlang.

Die Brücke war um 17:00 Uhr noch befahrbar, die
Feuerwehr nannte jedoch schon einen Pegel, ab dem die Brücke gesperrt werden müsste.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 16:45 Uhr, wenn das Wasser auf die Brücke trifft muss sie gesperrt werden

 
 
Parallel zur Straßenbrücke, gibt es am
Wisselbach, nicht ganz einen Kilometer südlich, noch eine Fußgängerbrücke über die Nims. Die war jedoch kurz vor 17:00 Uhr schon nicht mehr erreichbar.
 
 
   
 

14. Juli 2021 kurz vor 17:00 Uhr, die Fußgängerbrücke im Nimstal liegt schon mitten im Fluss. Auch hier ist die Strömung schon so stark, dass der Versuch die Brücke zu erreichen, gefährlich geworden ist.

 
 


Dieser Entwässerungsgraben ganz in der Nähe, ist schon über die Grenzen seiner Kapazität gekommen. Das Wasser schießt jetzt über die Wiese.
 

 
   
 

14. Juli 2021 kurz vor 17:10 Uhr, der Entwässerungsgraben kann die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Das Wasser ergießt sich unkontrolliert über die Wiese

 
 


Zurück an der Burg, hatte sich in der letzten halben Stunde noch nicht viel verändert.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 17:30 Uhr, das Wehr links neben der Burg ist komplett überspült

 
 


So sieht es am
Wehr aus, wenn die Nims einen normalen Wasserstand hat. Einziger Unterschied: Das Wasser läuft sanft über die Kante.
 

 
   
 

19. Juli 2021, das Hochwasser ist zurückgegangen. Der Durchbruch am Wehr stammt von kürzlich begonnen Bauarbeiten

 
 


In dem Haus links gibt es kleines
Wasserkraftwerk. Ein paar Wochen zuvor war für Baumaßnahmen der Durchbruch im Wehr gemacht worden,
um das Wasser daran vorbei zu führen und den Kanal, der unter dem Haus verläuft, trocken legen zu können. Der Durchbruch war rundherum abgesperrt worden.
Alles was am Tag nach der Flutkatastrophe von den Barrieren noch übrig war, ist die zerfetzte weiße Plane im Vordergrund.
Der Rest wurde wie vieles andere auch, vom Wasser zerstört und weggespült.

Zurück zum 14. Juli. Hier führt der nördliche Wanderweg an einem Parkplatz vorbei, in den Ort hinein und zur Burg. Auch hier war der Weg unpassierbar geworden.

 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 20:55 Uhr, weitere Aufnahme vom Handy. Der Wanderweg zur Burg ist abgeschnitten und steht über einen halben Meter unter Wasser. Bis jetzt ist alles noch im Rahmen


14. Juli 2021 gegen 20:55 Uhr, Der Pavillon steht zu 2/3 in der Strömung

 
 


Der Wanderweg im Nimstal ist nun auf der Ostseite an beiden Seiten unterbrochen. Das Wasser ist bis auf die halbe Strecke an den Weg vorgedrungen.
Etwa in der Mitte standen noch Pferde auf der Koppel und es wurde immer wahrscheinlicher, dass auch sie in Sicherheit gebracht werden müssten. 
Dafür gab es nur noch eine Stelle, über die man den Hang hinauf weiter nach oben zur Straße gelangte.

Rund eine halbe Stunde später war ich über die Anhöhe, von der aus ich die ersten Aufnahmen gemacht hatte, "hinten herum" zur Burg zurück gegangen.

Auf dem folgenden Foto schwappt das Wasser schon lange über die Straßenbrücke im
Ortskern hinweg. Dort hatte ich gegen 16:30 Uhr noch das Foto vom überfluteten Wanderweg nach Süden aufgenommen.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen 21:35 Uhr, kein Weg führte mehr über die Nims. Beide Seiten vom Ort waren voneinander abgeschnitten. Die Nims stieg weiter und prallte wie in einer Steilkurve gegen die Häuser links.

 
 


Schon gegen 19:00 Uhr sind die
Burg und alle benachbarten Häuser zu Inseln geworden. Auch die Schreinerei, das Haus vorne rechts im Bild, steht mitten im Fluss.
Die Nims ist inzwischen über 200 Meter breit.
Mit zunehmender Gewalt schießt das Wasser an der Burg vorbei und prallt gegen die Häuser, die links an der Straße stehen.
Zwischen den beiden Häusern links, steht noch eine niedrige Mauer, die wie eine Bande wirkt und das Wasser leitet. Auch die wurde im weiteren Verlauf der
Katastrophe beschädigt. Ganz links ist das Wasser bereits durch die unteren Fenster ins Haus gelaufen.

Alle paar Minuten kamen
Holzscheite, Paletten oder andere Dinge, wie z.B. die Bank aus dem Pavillon vorbei geschwommen.
Zum Entsetzen der machtlosen Anwohner, wurde dann auch die
Brücke zur Burg von den Fluten weg gerissen und schoss geradewegs in den Hof zwischen den Häusern.

Nun das letzte Handyfoto vom 14. Juli, kurz vor Mitternacht.
 

 
   
 

14. Juli 2021 gegen Mitternacht, Das Hochwasser hat beinahe seinen Höchststand erreicht. Viele Menschen, nicht nur in Rittersdorf, müssen heute Nacht woanders schlafen

 
 


Gerade zu steht das Wasser an der Oberkante der
Souterrainfenster. Am Haus rechts daneben, drang es kurz darauf durch die Fenster im Parterre ein!
Hier steht es kurz davor.
Auch die
Absperrbaken sind fast ganz im Wasser verschwunden. In allen umliegenden Häuser ist es höher gestiegen, als bei irgendeinem früheren Hochwasser.
Doch die Höhe allein ist nicht das Problem.
Zusammen mit der enormen Fließgeschwindigkeit, haben die Wassermassen das Hochwasser erst zur Katastrophe gemacht.

Egal mit wem ich gesprochen habe, es konnte sich auch keiner der älteren Bewohner an ein derart folgenschweres Hochwasser erinnern.

Das Grundstück der Schreinerei rechts, steigt mit der Straße noch einmal rund einen Meter an. Das Wasser läuft auf der ganzen Länge durch den Zaun hindurch.
Gegen 22:00 Uhr stand ich mit einigen Anwohnern noch vorne an den Bäumen neben der Laterne.
Alle paar Minuten mussten wir weiter zurück gehen um nicht gleich darauf im Wasser zu stehen. Jetzt hätte man sich dort nicht mehr auf den Beinen halten können.

Die Höfe gegenüber liegen etwas unter Straßenniveau, also auch die Eingänge der Häuser dort.
Alles was hier im Erdgeschoss lag, wurde von der braunen, schlammigen Brühe eingeschlossen und zerstört.
Was die Wassermassen und der von ihnen erzeugte Druck tatsächlich angerichtet hatten, sahen wir erst am nächsten Morgen.

Nach links geht die Bitburger Straße, die Hauptstraße ab. Auch sie war viele Stunden unpassierbar.
Zu den Häusern auf der Anhöhe gelangte man nur noch über die Feldwege hinter der L5.
Dadurch wurde diese östlich der Nims zur einzig verbliebenen Zufahrt nach Rittersdorf.

Meine Frau parkte gegen 22:45 Uhr irgendwo im Ort und lief mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch das Wasser zu mir.
Und das war nur deshalb noch möglich, weil hier am Rand die Geschwindigkeit der Nims wesentlich geringer war, wie im Bereich direkt an der Burg, die praktisch mitten im Strom lag.
 

 
 

Der Tag danach - was das Wasser in Rittersdorf angerichtet hatte

 
 


Beim erneuten Besuch vor Ort, am 19. Juli, herrschte auch unter der Brücke über den Radwanderweg ein Bild der völligen Verwüstung.
Wo eigentlich nicht viel ist, dass kaputt gehen kann. Eigentlich.
 

 
   
 

19. Juli 2021, IR-Aufnahme des Gehwegs, von dem jetzt nur noch der Schotteruntergrund übrig ist. Der Asphalt ist noch unterhalb der Marke abgerissen, bis zu der das Wasser stieg.

 
 


Der Gehweg der direkt hinter der Unterführung wieder nach oben führt, hat keinen
Asphalt mehr. Die Fluten haben ein riesiges Stück des 10cm dicken Belags in Form eines Viertelkreises abgerissen und um die Ecke getragen, als wäre es ein Pfannkuchen.
Das verbliebene Stück der abgerissenen Platte schätze ich auf rund neun Quadratmeter. Auch der
Schottergrund ist fast vollständig abgetragen worden.

 

 
   

19. Juli 2021, 2. IR-Aufnahme des Gehwegs mit dem großen Reststück der Asphaltdecke. 

 


Von oben wird noch deutlicher, welche Masse das Wasser hier bewegt hat.
Ähnlich dem ersten
IR-Foto oben, zeigt auch dieses hier, wie hoch das Wasser an dieser Stelle gestiegen war. Es zeigt aber auch was alles verschwunden ist.
 

 
   
 

19. Juli 2021, Der Schotter unter dem Asphalt ist fast komplett verschwunden

 
 


Auf der folgenden Aufnahme wird einem die schiere Größe der Asphaltplatte erst richtig bewusst. Oben ist das Verhältnis noch etwas
diffus
 

 
   
 

19. Juli 2021, Ein Stück in der Größe eines Telefonbuches wiegt schon einige Kilo - was wird wohl diese riesige Platte wiegen? Das Wasser hat sie mit Leichtigkeit bewegt!

 
 


Der fehlende Rest der Asphaltdecke, wird sehr wahrscheinlich an dieser Stelle das
Geländer durchschlagen haben. Auch davon fehlen Teile, die nicht mehr zu finden waren.
 

 
   
 

19. Juli 2021, ein kleineres Stück Asphalt liegt noch hinter der Brücke. Der Rest hat offenbar hier das Geländer durchschlagen und wurde fortgespült

 
 


Das letzte auffindbare Stück Asphalt vom Gehweg.
 

 
   
 

19. Juli 2021, auf der anderen Seite der Unterführung liegt das kleine verbliebene Stück der Asphaltdecke des Wanderwegs.

 
 


Man findet aber auch sehr persönliche Gegenstände, die das Wasser wer weiß wie viele Kilometer mit sich gerissen hat.
 

 
   
 

19. Juli 2021, wer auch immer Klaus ist, ich wünsche ihm, das er das Hochwasser ohne Schaden an Leib und Leben überstanden hat

 
 
Im Verhältnis zu der Plastikbox, ist die Steinplatte daneben ein ganz anderes Kaliber. Kein Mensch könnte diesen
Trumm allein bewegen.

Kommen wir noch einmal zum zweiten Foto ganz oben zurück. Da standen zwei
Bauwagen
an einem Reitplatz, einer von einer Plane verdeckt.
 
 
   
 

Seit mindestens Januar 2021 standen dort die beiden Bauwagen am Reitplatz

 
 


Diesen friedlichen Anblick hat das Wasser ebenfalls vernichtet.

Am 15. Juli machten wir uns früh morgens auf, um uns die Schäden anzusehen und wenn möglich zu helfen.
Doch die meisten direkt Betroffenen hatten kaum oder gar nicht geschlafen. Ihnen steckte der Schock noch sichtlich in den Knochen. Ich hätte da auch nicht schlafen können.

Viele hatten schon in der Nacht die Gewissheit, alles verloren zu haben. Die Schlafzimmer vieler Menschen im Ort existierten nicht mehr. Wo hätten sie also schlafen sollen?

Und so fanden wir dann am nächsten Tag das Dorf vor:
 

 
   
 

15. Juli 2021, gegen 7 Uhr morgens, rund fünfzig Meter vom alten Platz, lag einer der beiden Bauwagen Flussabwärts auf der Seite. Vom zweiten Wagen fehlte zunächst jede Spur! Man bedenke die Größe.

 
     
   
 


In den Resten der Einfriedung des Reitplatz, hängen wie überall die mitgerissenen Grashalme. Der Bauwagen liegt auf der Seite im zurückgehenden Wasser.
 

 
   
 

15. Juli 2021, gegen 17:15 Uhr, das Wasser geht zurück, steht aber noch immer auf der Wiese. Immer mehr Trümmer kommen zum Vorschein. Überall tauchen Sachen auf, die das Wasser mitgebracht hat.

 
 


Von oben schaut das Ganze noch etwa anders aus.
 

 
   
 

15. Juli 2021, gegen 17:15 Uhr, der Bauwagen liegt nicht mehr im Wasser. Jetzt werden die Schäden sichtbar

 
 


Der zweite Bauwagen existiert nicht mehr. Am Morgen danach stand das
Fahrgestell in den zurückgehenden Fluten.
 

 
   
 

15. Juli 2021, das Fahrgestell des zweiten Bauwagen stand am folgenden Morgen fast an der Stelle, wo am Abend zuvor noch der Pavillon gestanden hatte im Wasser.
Der Pavillon seinerseits war zunächst verschwunden

 
 


Der Aufbau des zweiten Bauwagens war von der Strömung abgerissen und beim Aufprall auf einen Baum völlig zerlegt worden. Nur die Rückwand war noch da.
Ganz in der Nähe hat es den Pavillon an einen anderen Baum getrieben.
 

 
   
 

15. Juli 2021, am Morgen nach dem Hochwasser fanden wir dann auch den Pavillon.
Nachdem das Wasser am 16. Juli ganz zurück gegangen war, war der Pavillon offenbar komplett zerbrochen und in den restlichen Fluten weggespült worden.

 
 


Wie man unten sieht, war auch am 15. Juli trotz zurückgehendem Pegel noch immer eine starke Strömung vorhanden.

 
 

15. Juli 2021 7:00 Uhr, auf der Nims trieb morgens noch ein Heuballen.
 


15. Juli 2021 7:00 Uhr, d
er Parkplatz an der Burg steht noch immer unter Wasser

Wo im Wasser Hindernisse wie Zäune oder Bäume standen, sind ebenfalls überall leichtere Teile wie die Gras- und Getreidehalme hängen geblieben.

Der direkte Weg zur Burg war noch immer unpassierbar. So nahmen wir den Weg über die Straße oben am Hang, über den ich schon am Abend vorher gegangen war.
Jetzt bot sich uns zum ersten Mal der Anblick der Zerstörung im Ortskern.

 

 
   
 

15. Juli 2021, das Wasser war am Morgen auf dem Rückweg, es stand aber noch immer überall auf den Wegen und in den Häusern

 
 


Überall wo das Wasser schon zurück gegangen war, waren Marken des Höchststands zurück geblieben.
 

 
   
 

15. Juli 2021, überall war stinkender Schlamm zurück geblieben. Langsam schauten wir uns um und trauten unseren Augen nicht, wie es um uns herum aussah.

 
 


Zuerst fiel uns auf, dass das Wasser noch weiter gestiegen war als wir es gegen Mitternacht gesehen hatten. Die Fenster am Haus links lagen gegen Mitternacht noch oberhalb der Wasserkante.
Jetzt war an dem braunen Streifen auf der Fassade deutlich zu sehen, dass es noch bis zur Mitte der Fenster gestiegen war.
Bis etwa ein Uhr war der Pegel noch gestiegen und erst gegen drei Uhr, begann der Wasserstand langsam wieder zu fallen.

Die Familie die hier lebte, musste also noch in der Nacht das Erdgeschoss verlassen. Sie wohnten danach in einer Notunterkunft.
Alles was im Keller und im Erdgeschoss stand, war reif für den Müll.
 

 
   
 

15. Juli 2021, ein großer Teil der Habe einer Familie, steht als Sperrmüll vor dem unbewohnbar gewordenen Haus

 
 


Bis das Haus komplett durchgetrocknet ist, ist es unbewohnbar. Es wird noch lange brauchen, bis der Gestank vom Schlamm daraus verflogen sein wird.
Diese Nacht wird sicher keiner aus der Familie vergessen können.

Als die Brücke noch passierbar war, hatte ich mit der Mutter gesprochen. Sie war mit ihren Kindern erst kurz zuvor nach Rittersdorf gezogen.
Sie hatte sich darauf eingestellt, dass es eventuell einen nassen Keller geben würde. Das am Ende mehr als die Hälfte der Wohnung ruiniert wäre, hätte sie nicht geahnt.

Zwei Häuser weiter zeigt sich, welche Gewalt der Druck der Wassermassen entfesselte. Auf der gesamten Höhe hat das Wasser die Rückwand des Hauses einfach heraus gerissen und weggespült. Was drin stand, wurde mitgerissen.
 

 
   
 

15. Juli 2021, unten war eine offene Garage, praktisch ein Carport. Fatal für das Haus. So konnte das Wasser ungebremst eindringen.

 


Stromabwärts lagen überall weitere Trümmer in der Nims. Nachdem der Wanderweg wieder begehbar war, konnte man auch die Schäden
auf den Höfen von der Rückseite sehen. Mauern waren umgedrückt oder weggespült worden.
Überall lagen herausgerissene Gastanks, Campingausrüstungen; einfach alles, was man so im Schuppen aufbewahrt.


16. Juli 2021, der Rest vom Bauwagen, die Rückwand, hängt kurz vor der Burg an einem Baum - noch einmal rund 50 Meter vom Fahrgestell entfernt.



16. Juli 2021, die Fußballtore sind kaum noch zu erkennen. Sie sind nur noch verbogene, abgebrochene Alurohre

Auf der Wiese vor der Burg zeigte sich mit dem Rückgang der Fluten alles, was dort hängen geblieben war. Die Tore vom Fußballplatz waren abgeknickt wie Zahnstocher


Hier noch zwei Gegenüberstellungen vorher - nachher


innerhalb kürzester Zeit verwandelte die Strömung den Ortskern in ein Trümmerfeld

Schräg unter der Rampe verlief die Verlängerung eines Entwässerungsgrabens bis unter das Haus und mündete in die Nims.
Hier war der Wasserdruck derart gewaltig, dass er von unten die Straßendecke auf der Einfahrt aufgerissen hatte!

Die Schäden waren immens, viele Häuser stehen 2025 noch immer leer.
Viele der Flutopfer hatten keine Versicherungen, andere mussten sich über Ausschlüsse in ihren Policen belehren lassen.

Ein Betroffener sagte mir, viele hätten nach der Katastrophe bei ihren Versicherungen angefragt und Ablehnungen erhalten.
Einem Opfer sei ein Angebot mit einer monatlichen Prämie über 500,-- vorgelegt worden!

Das einzig Positive für Rittersdorf: Es gab keine Toten zu beklagen.

Gedenken wir der Opfer, die in dieser Nacht ihr Leben oder ihre Familien verloren haben.
 

             
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